Der September ist für Apple-Jünger der Monat, in dem das Technologieunternehmen zu sich nach Cupertino – ihrem Hauptsitz – einlädt, um sich und die neuen Flaggschiffmodelle ihrer Smartphone-Serie zu feiern. So auch am Dienstag (15. September), aber mit dem Unterschied, dass aufgrund der Corona-Pandemie das Event als Stream stattfand und statt neuer iPhones neue Apple Watches sowie neuer Modelle zweier iPad-Generationen vorgestellt wurden.

Apple Watch Series 6

Symbolbild: Apple Watch Series 6
Symbolbild: tatsächliches Aussehen kann abweichen

Das mit Abstand meist beworbene Feature während der einstündigen Präsentation – der sogenannten Keynote – war die Tatsache, dass die Armbanduhren der sechsten Generation den Sauerstoffgehalt im Blut binnen 15 Sekunden messen können sollen. Dafür wirft der „Health Sensor“ rotes und Infrarotlicht auf das Handgelenk. Im Anschluss misst das Gerät, wie viel Licht reflektiert wurde. Abschließend braucht es noch die Hilfe eines Algorithmus und schon kennt der Träger seinen Blutsauerstoffgehalt. Wem das zu lange dauert oder zu mühselig sein sollte, der muss schlicht die Apple Watch im Schlaf anbehalten, denn die Messungen können ebenso automatisiert erfolgen und in der Health App hinterlegt werden. Schon länger können die Geräte die Herzfrequenz messen und seit der vierten Generation der Uhren lässt sich der Herzrhytmus bestimmen.

Neben den schon bekannten neuen Zifferblättern kann man sein Memoji – ein digitales Abbild des eigenen Gesichts – sowie mit Stripes die Zugehörigkeit zur LGBTQ+-Community oder zu einem Sportverein zeigen. Aus der Sicht von Sportlern sicherlich schon lange überfällig: die Health App zeigt unter watchOS 7 nun endlich die gelaufene Schrittzahl in Echtzeit an. Die notwendige Power liefert Apples eigener A6S; ein Dual-Core-Prozessor, der auf dem A13 Bionic aus den iPhone 11-Modellen basieren soll. Laut dem Unternehmen zieht das Upgrade eine 20%ige-Performancesteigerung mit sich. Das Always-On-Display soll sogar 2,5 Mal heller sein als sein Vorgänger.

Apple Watch SE

Die günstigere, aber im Funktionsumfang eingeschränktere Apple Watch SE ist seit dem 18. September in der GPS-Variante für einen Preis ab über 291€ zu haben. Das Flaggschiffmodell in den Farben blau, gold, silber, space grau, space schwarz sowie rot als (PRODUCT)Red-Variante beginnt bei rund 418€. Mit den neuen „Solo Loop“-Armbändern soll sich die Uhr noch leichter anziehen lassen, denn die Silikon-Armbänder besitzen keine Schnalle oder sich überlappende Einzelteile. Stattdessen genügt es, das Band zu dehnen. Entgegen der gängigen Praxis werden ab sofort keine Netzstecker mehr mitgeliefert. Das Hard- und Softwareunternehmen möchte auf diesem Wege seinem Ziel näher kommen, bis 2030 kohlenstoffneutral zu arbeiten.

Family Setup: Ein Smartphone – viele Uhren

Family Setup: Mit einem iPhone mehrere Apple Watches einrichten und verwalten.
Dank „Family Setup“ braucht es künftig nur noch ein Smartphone zum Einrichten und der Verwaltung mehrerer Apple Watches. Dies ist bspw. praktisch, wenn die Kinder oder nicht-technikversierte Menschen gar kein weiteres Endgerät besitzen. Dennoch soll jeder Uhr ein eigener Account sowie eine eigene Telefonnummer zugeordnet werden können. Dadurch haben Eltern die Macht, für jedes Kind separat zu bestimmen, mit welchen Kontakten es Nachrichten austauschen kann. Zusätzlich versendet die Uhr eine Push-Benachrichtigung an die Erziehungsberechtigten, wenn der Nachwuchs an zuvor definierten Orten aufkreuzt (z.B. in der Schule, im Verein oder bei den Großeltern). Im Schulmodus werden eingehende Nachrichten stummgeschaltet und auch sonst stehen nur noch fundamentale Funktionen bereit. Family Setup verlangt mindestens die Apple Watch der vierten Generation in der zellularen Variante, also mit Mobilfunkanbindung. Obendrein muss man in Deutschland seinen Mobilfunkvertrag bei der Telekom, Vodafone oder Telefónica abgeschlossen haben.

Fitness+

Der Launch von Fitness+ soll noch in diesem Jahr erfolgen, aber Menschen in Deutschland müssen sich noch länger gedulden.
Apples neuer Dienst Fitness+ setzt eine Apple Watch plus ein iPhone, iPad, Mac oder Apple TV zur Wiedergabe der Trainingseinheiten voraus. Die eigenen Gesundheitsdaten wie Puls, verbrannte Kalorien oder Schrittzahl werden währenddessen von der Uhr auf das andere Wiedergabegerät dupliziert. Der Dienst umfasst die Trainingseinheiten: Muskelaufbau, Yoga, Radfahren, Tanzen, Laufen – wahlweise auch Rennen auf dem Laufband, Rudern, Tabatatraining oder legt den Fokus auf den Körperschwerpunkt. Zum Runterkommen gibt es ebenso Sessions zur Entspannung. Fitness+ kostet 9,99$ pro Monat bzw. 79,99$/ Jahr bei jährlicher Abrechnung. Käufer:innen einer neuen Apple Watch erhalten die Dienstleistung drei Monate kostenfrei. Der Launch soll noch vor Ende des Jahres erfolgen, aber leider nicht in Deutschland. Durch Family Link können bis zu sechs Familienmitglieder ihren Kalorien den Kampf ansagen.

Für all diejenigen, die mehr als nur einen Dienst nutzen, könnte das Paketbundle Apple One die monatlichen Kosten ein wenig senken. Ab Herbst kosten lausige 50GB iCloud-Speicher, der hauseigene Musikstreaming-Service, der Spieledienst Arcade, tv+, News+ und natürlich auch Fitness+ 14,95€/ Monat. Das Familienabonnement kostet 19,95€; mit immerhin 200GB Online-Speicher für bis zu sechs Familienmitglieder. Für 29.95$ bietet das „Premier“-Modell 2TB Cloud-Storage. Unbedingt zu beachten ist, dass es noch nicht jeden Dienst in jedem Land gibt, weshalb für z.B. Deutschland News+ sowie Fitness+ nicht inbegriffen sind.

iPad 8. Generation

Symbolbild: iPad 8. Generation
Symbolbild; tatsächliches Aussehen kann abweichen.

Zehn Jahre nach der Vorstellung des ersten Tablets, stellte das Hard- und Softwareunternehmen im September das iPad der achten Generation sowie das iPad Air Modell der vierten Generation vor. Ersteres wird von dem 6-Kern-Prozessor A12 Bionic; ein Prozessor, den man sowohl aus dem iPhone XR, XS bzw. XS Max kennt, befeuert. Hinzu kommt ein 4-Kern-Grafikprozessor. Durch die drei Konnektoren am linken Rand ist das neue Modell mit dem Smart Keyboard sowie weiteren Tastaturen von Logitech kompatibel. Für Handschriftfetischisten steht der Eingabestift Apple Pencil der ersten Generation bereit. Im Umkehrschluss heißt das, dass das iPad 8 statt auf den neuen Standard USB-C leider auf die altbekannte Lightning-Technologie setzt. Das Gerät mit seinem 10,2 Zoll Retina Display ist seit Freitag, den 18. September für einen Preis ab 369,40€ zu haben.

iPad Air 4

Symbolbild: iPad Air 4
Symbolbild; tatsächliches Aussehen kann abweichen.

Beim neuen iPad Air ging man einen Schritt zurück, um einen Schritt nach vorne zu gelangen, denn das Design ähnelt stark dem iPhone 5S – bloß ohne Homebutton. Wer denkt, dass deshalb FaceID zum Entsperren des Gerätes verwendet wird liegt ebenso falsch. Wie wird das Tablet dann gesichert? – Etwa nur mit einer PIN?! Mitnichten, denn der Fingerabdrucksensor ist im Powerknopf an der Oberseite verbaut. Das 10,9 Zoll Liquid Retina Display weist eine Auflösung von 2360×1640 Pixeln auf. Das Gerät ist umrahmt von einem Gehäuse in silber, space grau, roségold, grün oder blau. Die Frontkamera filmt FullHD-Videos mit bis zu 60 Bildern/ Sekunde. Die zwölf Megapixel Hauptkamera liefert Videos in 4K bei 60FPS. Slowmotion-Videos erfassen bis zu 240 Bilder je Sekunde. Noch vor den iPhones ist dieses iPad Air, das erste Gerät, in dem der 6-Kern-Prozessor A14 Bionic verbaut worden ist. Für die notwendige Grafikleistung kommt ein 4-Kern-Grafikprozessor auf.

Diese Produktserie unterstützt nun sowohl den Apple Pencil der zweiten Generation als auch das sehr preisintensive Magic Keyboard. Durch den USB-C -Anschluss lassen sich fortan Kameras, Festplatten und weiteres Zubehör mit dem Tablet verbinden. Interessierte sollten mindestens 632€ bereithalten.

© Leon Ebersmann

Von Leon